06.11.2019

Es geht um die Nähe zum Wasser, den Wellen, zum Wind

Ein Interview mit Marita Mausolf-Heuer, die mit WELT-bietet.de ihren Traum von einer Reise mit der Sea Cloud erfüllt hat

Marita Mausolf-Heuer ist 66 Jahre jung und pensionierte Lehrerin. Mit Welt-bietet.de hat sie ihren Traum von einer Reise mit der Sea Cloud wahr gemacht und berichtet uns von ihren Erfahrungen als Reisende auf  verschiedenen Segelschiffen.

Sea Cloud II Credit: Marita Mausolf-Heuer

Wann war Ihre erste Kreuzfahrt auf einem Segelschiff? 

 

Meine erste Segelreise ist schon lange ich her, ich war damals 26 und wir waren auf Törn durch die griechische Inselwelt. Das war ein verhältnismäßig kleines Boot mit einer Besatzung von 16 Personen. Seitdem habe ich etwa zehn größere und kleinere Segelreisen unternommen, vor allem im Mittelmeer, aber später auch in der Karibik. Einmal mit der Sea Cloud in See zu stechen war aber schon immer mein absoluter Reisetraum. Die erste Reise führte mit der Sea Cloud II von Barbados aus zu den Virgin Islands und den Grenadinen. Und das zweite Mal war es eine Tour mit der historischen Sea Cloud von Costa Rica aus bis nach Kuba.

 

Woher kommt Ihr Interesse an Segelschiffen?

 

Die Begeisterung für das Segeln stammt von meinem Vater, der selbst eine kleine Jolle gebaut hatte, mit der wir dann auf den Harzer Talsperren unterwegs waren und sogar Regatta gesegelt sind. So gesehen, hatte ich die Verbindung zum Wasser schon von Kindesbeinen an. 

 

Und was fasziniert Sie an diesen Segeltörns?

 

Bei der Griechenlandreise ging es mir auch um die Geschichte vor Ort, all die klassischen Sagen. Aber so eine Fahrt auf einem großen klassischen Segler ist noch einmal eine ganz andere Kategorie. Insbesondere die alte Sea Cloud begeistert mich schon allein aufgrund ihrer wechselvollen Historie. Das Schiff war 1931 von dem amerikanischen Börsenmakler Hutton in Auftrag gegeben worden und hieß damals noch „Hussar“. In dieser Zeit was das Schiff die größte und luxuriöseste Privatsegelyacht der Welt. Seine Ex-Frau nannte das Schiff dann ein paar Jahre später in „Sea Cloud“ um. Und das Fantastische ist, dass die Räumlichkeiten, die Inneneinrichtung aus dieser Zeit noch erhalten ist bzw. wieder restauriert wurde – und das macht mir richtig Freude.

Aber schon immer, früher auf den kleinen Schiffen wie jetzt auch bei den Fahrten an Bord der großen Windjammer, geht es mir um die Nähe zum Wasser, den Wellen, zum Wind. Man sitzt eben nicht Dutzende von Decks über dem Meer, sondern kann das alles hautnah genießen. Ich fand es immer besonders toll, vorne am Mast zu sitzen und direkt zu spüren, wie das Schiff bei Seegang durch die Wellen stampft.

Die Segel werden eingeholt auf der Sea Cloud II Credit: Marita Mausolf-Heuer

Segel Setzen auf der Sea Cloud II Credit: Marita Mausolf-Heuer

Und gab es weitere Lieblingsmomente an Bord?

 

Ein absolutes Highlight ist sicher auch, wenn die Segel gesetzt werden, und zwar von Hand. Das ist schon toll, wenn die Matrosen – wie schon vor hunderten Jahren – hier ihrem seemännischen Handwerk nachgehen. Zusätzlich hat es mich begeistert, dass unter diesen Matrosen auch drei Frauen waren, die auch hoch in die Wanten geklettert sind. Und man kommt an Bord natürlich auch Kontakt zur Mannschaft, wenn man es will, weil die ja ständig an Deck unterwegs sind und man kann ihnen entsprechend Fragen stellen. 

 

Wie ist der Alltag an Bord?

 

Das Programmangebot ist natürlich längst nicht so umfangreich wie auf einem normalen Kreuzfahrt-Schiff. Aber das ist auch gut so und man braucht es gar nicht, denn das Erlebnis ist ja das Schiff an sich, das ruhige Gleiten übers Meer. Davon abgesehen trifft man auf diesen Fahrten immer auch nette Mitreisende, denn alle an Bord haben ja ähnliche Vorstellungen von Individualität, haben ähnliche Interessen, legen Wert auf das Persönliche. Und so entstehen wirklich nette Kontakte und interessante Gespräche. 

Außerdem ist immer ein Lektor an Bord, der in kleinen Vorträgen etwas über die Ziele der nächsten Tage erzählt, sodass man gut vorbereitet und informiert in den Häfen von Bord geht. Er begleitet dann auch die Ausflüge an Land.

Matrosin beim Schoten ordnen auf der Sea Cloud Credit: Marita Mausolf-Heuer

Was ist der Unterschied zu einer „normalen“ Kreuzfahrt?

 

Der Alltag ist einfach viel persönlicher, individueller. Es sind ja auch viel weniger Gäste an Bord. Tatsächlich ist so eine Reise nichts für Leute, die abends Action brauchen, eine große bunte Show oder ähnliches. Das gibt es hier natürlich nicht. Aber die meisten Gäste an Bord wissen das und wollen das auch nicht. 

Was man auf jeden Fall wissen sollte: Eine Segelfahrt ist natürlich immer abhängig vom Wetter. Starker Wellengang zum Beispiel ist also durchaus zu spüren. Aber gerade das finde ich persönlich so toll. So eine Reise ist eben immer auch ein richtiges Abenteuer.

Credit: Marita Mausolf-Heuer