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Sabbatical

Sabbatical

Wie ein teurer Traum Wirklichkeit werden kann

Einmal um die Welt reisen, sich einfach treiben lassen und Abenteuer erleben, die Welt erkunden, Menschen treffen, selbstbewusster werden und so viel Neues lernen und entdecken. Das alles klingt zu schön, nur - "Wie soll ich mir das leisten?"- das fragen sich sicherlich viele von euch.

Nicole Bittger hat die Antwort darauf. Sie hat ein Sabbatical gemacht und das ohne stinkreich zu sein. Die 30-jährige Berlinerin ist wie sie selbst sagt "chronisch reisekrank" und es zieht sie regelmäßig in die Ferne. Um andere Reisesüchtige an ihren Abenteuern teilhaben zu lassen, schreibt sie über all ihre Reisen auf ihrem Blog "PASSENGER X".

Für uns erklärt sie, wie jeder es schaffen kann sich den Traum vom Sabbatical zu erfüllen:

Du warst sechs Monate unterwegs, kannst du ungefähr sagen, was dich das gekostet hat?

Ich hatte 15.000 Euro für die sechs Monate Sabbatical ohne arbeiten, dafür mit vielen Reisen, angespart. Das Geld musste neben den Kosten für die Reisen als solches auch für die laufenden Fixkosten reichen. Eine ganze Stange Geld, die größte Summe, die ich jemals besessen habe. Und in der Tat bin ich damit ziemlich exakt hingekommen.

Investiert habe ich das ganze Geld in lebenslange Erinnerungen, unzählige einmalige Momente, in die beste beste Schokolade Belgiens, ins Paragliden in der Schweiz, in einen Heliflug in Grönland, in Lavendelfelder, in Tempelbesuche, ins Mönchfrühstück in Japan, ins chinesische Wasserdorf – in mein Glück.

Das ist wirklich eine große Summe. Wie bist du zu dem Geld gekommen?

Leider besitze ich keinen Goldesel. Ich habe schlichtweg gespart. Was ganz gut ging, weil meine monatlichen Fixkosten recht gering sind. Ich habe kein Auto, nicht einmal eine Monatskarte für die Öffentlichen Verkehrsmittel, stattdessen fahre ich meistens mit dem Fahrrad. In einem Fitnessstudio bin ich auch schon lange nicht mehr angemeldet, ein paar Übungen mache ich daheim und joggen kostet mich auch nichts. In einem Verein bin ich nicht und meine Wohnung ist auch günstig. So habe ich es geschafft, dass von meinem Gehalt als Angestellte monatlich ein paar hundert Euro übrig blieben. Die, wenn ich sie nicht mal wieder für unnützes Shopping ausgegeben habe, einen guten Platz auf meinem Sparkonto hatten. Sorry, dass ich euch hier keine überraschende Zauberformel präsentieren kann, aber das Gute ist, so wie ich das hinbekommen habe, kann es jeder schaffen.

Hast du ein paar Tipps, wie man in einer möglichst kurzen Zeit so viel Geld ansparen kann?

Ich bin davon überzeugt, dass das wichtigste die regelmäßigen Ausgaben sind. Für die Zeit der Reise habe ich einige Fixkosten sogar noch weiter reduziert. Abos habe ich abgeschafft und meine private Rentenversicherung habe ich pausiert.

An laufenden Kosten bleibt natürlich trotzdem noch etwas übrig. Die Krankenversicherung und Handyrechnung beispielsweise. Wenn es um die Mietkosten geht, gibt es aber eine Lösung, auch ohne heimatlos zu werden: Wer alleine wohnt kann seine Wohnung für die Dauer der Reise untervermieten. Das sollte man vorher natürlich mit seiner Hausverwaltung abklären. Wenn das klappt, dann hat man das größte Problem elegant gelöst.

Ich gehöre zu den Glücklichen, die noch so etwas wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen haben. Das hatte ich auch direkt gespart. Plant es am besten gar nicht erst für etwas Anderes ein, lieber direkt ab auf das Sparkonto damit. So füllte sich mein Reiseportmonee ohne besonders große Anstrengung.

Wenn man etwas günstiger unterwegs sein möchte, an welcher Stelle kann man sparen und trotzdem eine schöne Zeit haben?

Besonders maßgebend sind die Reiseländer. Ich persönlich habe sie mir nicht gerade kostengünstig ausgesucht. Europa reist sich teuer, Japan und Grönland berauben richtig das Portmonee. Aber das war mir egal, weil ich dort unbedingt hinwollte. Wer aber möglichst lange und kostengünstig reisen will, der sucht sich besser günstigere Reiseländer. Von Weltenbummlern immer wieder empfohlen werden Thailand und einige weitere asiatische Länder. Vor allem Unterkünfte und Verpflegung sollen vor Ort super günstig sein. Auch ein paar Länder in Südamerika lassen sich budgetschonend bereisen und sind trotzdem wunderschön. Man kann überall Abenteuer erleben und es muss ja schließlich auch nicht die letzte Reise gewesen sein.

Was kann man tun, wenn man wie du auf gar keinen Fall auf bestimmte Länder verzichten will?

Am besten schaut ihr euch genau an, mit welchen Ausgaben ihr in welchem Land zu rechnen habt und legt die Route nach euren Budgetvorstellungen fest.

Um die teuren Reiseländer trotzdem machen zu können, habe aber zum Beispiel ich vor Ort auf Luxus verzichtet. Statt Hotel ging es für mich ins Hostel und wo es möglich war, habe ich kostenlos sogar via Couchsurfing übernachtet. Statt ins Restaurant zu gehen habe ich meist im Supermarkt eingekauft und selbst gekocht. Dafür konnte ich mir dann ein paar spezielle Ausflüge und Aktionen wie Paragliding, einen Helikopterflug und eine Übernachtung bei den Mönchen gönnen. Man muss also die Prioritäten richtig setzen, dann kann man sich fast jedes Reiseland leisten.

Jetzt wo du schon länger wieder zurück bist, würdest du sagen der ganze Aufwand hat sich gelohnt?

Am Ende der sechs Monate war mein Portmonee leer und das Sparbuch zeigte auch eine fette Null. Auf meinem Konto war gerade noch genug Geld, um die vier Wochen bis zum ersten Gehalt zu überbrücken. Und jeder Euro hat sich gelohnt, hätte nach meinem Geschmack nicht besser investiert sein können. Denn mein Kopf und mein Herz sind voll mit Erinnerungen. Unzählige großartige Aussichten konnte ich genießen, so viele einmalige Momente erleben, andere Menschen und Kulturen kennenlernen. Doch einen Nachteil gab es: Mein Bürojob erschien mir noch sinnloser als zuvor und das Reisefieber war nicht etwa gestillt, sondern noch größer. Ich war nun wohl endgültig chronisch fernwehkrank. Deshalb stand für mich als ich gerade zurück war schon fest: ich werde mit meinem ersten Gehalt auch die Reisespardose wieder aktivieren.

Was würdest du unentschlossenen Sabbatical-Interessierten abschließend noch sagen?

Achtung: Lest erst den Beipackzettel! Denn einmal losgereist, ist chronisches Fernweh vorprogrammiert.

Wie ihr seht, habe ich nicht im Lotto gewonnen. Ich habe gespart und ja ich bin auf eine nette Summe gekommen. Ich habe aber auch keine weiteren Rücklagen mehr und lebe grundsätzlich mit möglichst geringen Fixkosten. Klar ist es immer eine Frage dessen, was man verdient, aber eben auch eine Frage der Lebensweise. Wer in Auto, viel Eigentum und ein teures Fitnessstudio investiert, der wird sicher nicht so schnell sparen können, wie jemand, der günstig zur Miete wohnt und den Drahtesel zur Arbeit nimmt. Schaffen kann es jeder, eben nur in einem anderen Tempo. Wichtig ist schlussendlich, dass man ein Ziel hat und einfach mal anfängt.

Wenn Nicole euch angesteckt hat und ihr Reiselust bekommen habt, dann lest euch doch durch die vielen Sabbatical Interviews auf ihrem Blog und spätestens dann, gibt es für euch wahrscheinlich kein Halten mehr.

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